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Geschichte
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Ranzin

Der Ursprung des Ortes Ranzin liegt in der frühesten Phase der deutschen Besiedlung Pommerns. Erstmalig urkundlich erwähnt wird er als „villa Randensyn” im Jahre 1228 in einer Urkunde über einen Gebietstausch zwischen dem Pommernherzog Barnim I. und dem Domkapitel Lübeck. Aber bereits in der jungslawischen Zeit von 900-1100 existierten hier zwei Siedlungsplätze. Mit der Erwähnung eines Priesters aus Ranzin in einer Urkunde aus dem Jahre 1249 ist die Existenz einer Kirche belegt. Wenigstens seit 1315 ist Ranzin der Stammsitz des alten pommerschen Adelsgeschlechtes v. Horn, das hier in 13 Generationen über 500 Jahre ansässig war. 1845 erwarb der Wolgaster Reeder und Getreidegroßhändler August Wilhelm Homeyer die Güter Ranzin und Oldenburg von den Söhnen des Christian Leopold v. Horn und investierte in das heruntergewirtschaftete Gut und Dorf. Er legte 1848 auf der Gemarkung des Dorfes ein neues Vorwerk an, das ihm zu Ehren Wilhelmshöh benannt wurde. Nach seinem Tode 1850 führte der Sohn Friedrich v. Homeyer sein Werk fort. Er entwickelte das Gut zu einem weit über die Grenzen Pommerns hinaus bekannten Musterbetrieb. Mit besonderem Einsatz widmete er sich der Tierzucht. Ranziner Zuchtschafe waren um 1860 unter Schafzüchtern ein Qualitätsbegriff und wurden in die gesamte Welt exportiert. Friedrich v. Homeyer war nicht nur ein exzellenter Landwirt, sondern auch ein Gutsbesitzer, der sich seiner sozialen Verantwortung bewußt war. In seine Zeit fiel auch die Errichtung vieler Bauten, die noch heute das Gesicht des Dorfes prägen.

Ranziner Ansichten

Bereits unter Wilhelm Homeyer wurden Landarbeiterwohnungen erneuert und eine Küsterschule für die Dorfkinder eingerichtet. Später kamen die großen Stallungen hinzu und auch die Kirche erhielt ihren charakteristischen Turm. Entsprechend seiner wirtschaftlichen Bedeutung war Ranzin seit 1874 Sitz des Amtsbezirkes, zu dem die Dörfer Oldenburg, Wilhelmshöh, Gribow, Glödenhof, Lüssow, Radlow, Züssow, Krebsow, Thurow und Nepzin gehörten. Erst 1935 wurde der Amtsbezirk Ranzin zugunsten eines Amtsbereiches Züssow aufgelöst. Nach dem Tode Friedrich v. Homeyers wurde das Gut an die Familie Ruge verpachtet, ab 1937 kam es durch Erbschaft an die Familie v. Kameke. Nach dem Ende des II. Weltkrieges wurde das Gut Ranzin im Zuge der Bodenreform enteignet, aber nicht aufgesiedelt. Am 26. September 1945 wurde das Landesgut Ranzin gegründet. Es existierte als VEG (Saatzucht) und VEG (Tierzucht) bis zur Wende. Zu seinen Hauptaufgaben gehörten die Bereitstellung von Saat- und Pflanzgut, von Zuchttieren und die Lehrausbildung. Nach der Wende 1991 pachtete die Saka-Ragis Pflanzenzucht GbR Hamburg das Gut und die Saatzuchtstation.

Ranzin ist über die Kreisstraße K 15 zu erreichen, entweder von der B 111 zwischen Gribow und Thurow, oder von der B 109 bei Klein Bünzow. In jedem Falle begrüßt der markante Kirchturm den Besucher. Bereits seit 1249 soll hier eine Hallenkirche existiert haben. Nach einer Kirchenmatrikel hatte sie bereits 1666 einen hölzernen Turm. Dieser wurde 1851 abgerissen und durch einen aus Backstein ersetzt.

Kirche und Fachwerkhaus

In der Kirche befinden sich drei Grabplatten des alten Adelsgeschlechtes derer v. Horn aus den Jahren 1315, 1357 und 1407. Sie zählen zu den ältesten erhaltenen Grabmalen in Vorpommern. Bei Restaurationsarbeiten wurden Reste von Wandmalereien aus dem 14. Jahrhundert freigelegt, welche die Erschaffung Evas aus einer Rippe Adams, den Sündenfall und die Vertreibung aus dem Paradies darstellen. Das kleine Fachwerkhaus unmittelbar vor der Kirche ist das älteste Haus des Dorfes. Hier soll bereits Ende des 15. Jahrhunderts ein Krug gestanden haben. Links daneben liegt das 1856 erbaute Küsterhaus.

Küsterhaus

Es diente dem Küster als Wohnung und den Ranziner Kindern lange Zeit als Schule. Unmittelbar neben der Bushaltestelle steht ein hohes, vollständig aus Feldsteinen errichtetes Haus.

"Villa Granito"

Es wurde vor 1890 durch den Gutsbesitzer Friedrich v. Homeyer errichtet. Der ursprüngliche Zweck dieses Baues ist unbekannt, zeitweilig soll sich eine Brennerei darin befunden haben. Heute dient es als Wohnhaus. Geht man auf der Dorfstraße bis auf das Betriebsgelände des Gutes, steht auf der rechten Seite ein großer Bau aus behauenen Feldsteinen, dessen oberer Teil aus rotem Backstein besteht. In der Mitte des Gebäudes befindet sich eine hohe Einfahrt mit einem Rundbogen und Stufengiebel, der über das Flachdach hinausragt. Die Medaillons mit Widderköpfen am Giebel zeigen an, dass es sich um den Schafstall handelt, den Friedrich v. Homeyer 1867 nach Plänen des Berliner Architekten Eduard Knobloch erbauen ließ.

Medaillon mit Widderkopf

Ein auffallend helles Haus am Ende des Wirtschaftshofes könnte man für das ehemalige Herrenhaus des Gutes halten.

Verwaltungssitz Gut Ranzin

Ein in der Mitte des Gebäudes befindlicher Giebel mit Spitzdach und ein halbrund vorgezogener, von Säulen getragenen Eingangsbereich verstärken diesen Eindruck. Hier wohnte wahrscheinlich nach der Verpachtung des Gutes im Jahre 1900 der Pächter Albert Ruge. Seit 1945 ist dieses Haus der Verwaltungssitz des Gutes Ranzin. Links davon sehen wir ein anderes historisches Stallgebäude, den ehemaligen Schweinestall mit den Eberköpfen am Giebel. Dieser Bau wurde schon vor 1945 teilweise und später komplett als Schmiede und Stellmacherei für das Gut genutzt. Nachdem das mitten auf dem Gutshof gelegene alte Herrenhaus im November 1875 abbrannte, beauftragte Friedrich v. Homeyer den Architekten Eduard Knobloch mit dem Bau eines schlossartigen Herrenhauses abseits vom Wirtschaftshof des Gutes, das 1877 fertiggestellt wurde.

Schloss Ranzin, alte Hofansicht

Bis 1937 diente es als herrschaftliches Wohnhaus. Es war ursprünglich ein eingeschossiger Bau mit einem markanten Dachgarten. Den II. Weltkrieg hat das Gebäude äußerlich relativ unbeschadet überstanden. In den letzten Kriegsjahren diente es als Observatorium für das Marinekommando Bremerhaven, was innen zu etlichen Veränderungen führte. So wurde z. B. im Speisesaal auf einem großen Betonsockel eine Gezeitenmaschine installiert. Von September 1945 bis 1952 diente es als kirchliches Altersheim. Mit der verstärkten Berufsausbildung im VEG Ranzin ab 1953 wurde es als Lehrlingswohnheim genutzt. 1956 baute man es zu diesem Zweck grundlegend um.

Schloss Ranzin nach dem Umbau

Nach Entfernung des Dachgartens wurden ein zweites Stockwerk und ein Flachdach aufgesetzt. Heute befindet sich das Haus als Hotel in Privatbesitz. Unmittelbar daneben liegt hinter einer Begrenzungsmauer das Wohnhaus des ehemaligen Gutsgärtners. Über dem Eingang sieht man das Wappen Friedrich v. Homeyers mit den drei Ähren.

Wappen der Familie v. Homeyer

Am Ortsausgang Richtung Schmatzin liegt ein Wirtschaftshof, dessen Bild von einem hellen Gebäude und zwei großen Hallen bestimmt wird.

Saatzuchtstation Ranzin

Das ist die Saatzuchtstation Ranzin, in der seit 1971 Kartoffelerhaltungszucht betrieben wird. Auch sie ist heute ein Betriebsteil der Saka-Ragis Pflanzenzucht GbR. Die Zeit nicht überlebt hat der Ortsteil Wilhelmshöh. 1865 lebten hier 61 Menschen, 1972 nur noch 28. Bei einem Großfeuer im August 1973 brannten fast alle Stallungen nieder. 1980 war der Ortsteil leergezogen. Heute steht dort nur noch der als Kartoffellager genutzte ehemalige Schafstall.

Zur Zeit, im März 2005, hat Ranzin 229 Einwohner. Mit Wirkung vom 1. Januar 2005 hat die Gemeinde Ranzin ihre Eigenständigkeit aufgegeben und ist seitdem Ortsteil der Gemeinde Züssow. Im Dorf gibt es eine sehr aktive Freiwillige Feuerwehr, die im Juni 2004 ihr neues Feuerwehrhaus

FFw Ranzin

einweihen konnte. Es entstand aus der ehemaligen Gaststätte, die seit der Wende leer stand. Die Weiterführung kultureller Aktivitäten wie Frauensport, Tanzveranstaltungen und die Organisation von Dorffesten hat sich der Kultur- und Freizeitverein Ranzin e. V. zum Ziel gestellt. Einen besonderen Höhepunkt bildeten die Feierlichkeiten zum 775-jährigen Bestehen des Ortes im Juni 2003, mit denen auch der neue Festplatz des Ortes gegenüber vom Gemeindezentrum eingeweiht wurde.

Hans-Joachim Jacobs

 
       

Letzte Änderung: 28.03.2007

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